Ordentliche Kirchgemeindeversammlung vom 1. Dezember 2020 Verkauf des Pfarrhauses zurückgewiesen – vorerst

An der ordentlichen Kirchgemeindeversammlung in der Kirche Guggisberg wird ein Verkauf des Pfarrhauses vorerst zurückgewiesen. Das Budget 2021 wird einstimmig genehmigt. Und: Die Orgel in der Kirche Guggisberg wird revidiert.

Mit dem Leitsatz «Offen für alle – solidarisch mit den Leidenden» eröffnet am Dienstagabend, 01. Dezember 2020, Kirchgemeindepräsidentin Ursula Liechti die ordentliche Kirchgemeindeversammlung und begrüsst die insgesamt 23 Anwesenden. Die Versammlung findet aufgrund der Coronapandemie in der Kirche Guggisberg unter Einhaltung der geltenden Schutzmassnahmen statt.

Was es brauche, um diesen Leitsatz zu leben, stellt die Präsidentin in Frage: Engagement, Empathie, Mut – vielleicht sogar ein Umdenken? Gerade im kommenden Jahr sei es wichtig, neue Perspektiven zu sehen, neue Wege einzuschlagen und offen zu sein, sich solidarisch zu zeigen – im Visionsjahr 2021 …

Am heutigen Abend wird zunächst die Teilrevision des Organisationsreglements (OgR) genehmigt. Wie der Kirchgemeinderatspräsident Hans Werren orientiert, mussten Anpassungen aufgrund der Änderungen bei der Anstellung der Pfarrpersonen vorgenommen werden. Diese Anstellung läuft nicht mehr über den Kanton, sondern wird über die Landeskirche geregelt.

Einstimmig wird auch die Abrechnung des Investitionskredits für die Multimedia-Anlage der Kirche Guggisberg zur Kenntnis genommen. Dieser Kredit war bereits im Februar 2019 an der ausserordentlichen Versammlung genehmigt worden und das Projekt konnte bereits umgesetzt werden.

Mehr Diskussionsstoff bietet die Genehmigung des Investitionskredits für die Orgel in der Kirche Guggisberg. Während der Kirchgemeinderat auf den bisherigen Orgelbauer – die Firma Orgelbau Thomas Wälti – vertraut, wollen Teile der Versammlung eine weitere Offerte beantragen. Doch da auch aus der Versammlung darauf hingewiesen wird, wie wichtig es sei, ein solches Instrument durch die richtigen Hände revidieren zu lassen, wird der Antrag zum Einholen weiterer Offerten mit Mehrheit abgelehnt. Der Investitionskredit mit Nettokosten von ca. 28`900 CHF wird daraufhin genehmigt.

Für das Budget der Kirche Guggisberg und den Kirchensteuersatz für 2021 verzeichnet Finanzverwalterin M. Hostettler bei einem gleichbleibenden Kirchensteuersatz von 0,23 einen Aufwandüberschuss von 38`000 CHF. Trotz dieses Fehlbetrages sei das Haushaltsgleichgewicht in den nächsten Jahren noch gewährleistet, ohne Fremdkapital sei es auf die Dauer aber nicht mehr verkraftbar, so die Finanzverwalterin.

Bei der Vorstellung des Finanzplans wird deutlich, mit welch hohen Investitionskosten die Kirchgemeinde in den kommenden Jahren zu rechnen hat. Nicht nur die Sanierung der Kirche Sangernboden, sondern auch Projekte in Guggisberg, wie die Revision der Orgel, ein Aussenanstrich der Kirche, deren Anschluss an die Schnitzelheizung oder die Erneuerung der Brandmeldeanlage sollen hier einmal verwirklicht werden. Aber auch das Pfarrhaus bedürfe diverse Renovationsarbeiten.

Die 21 Stimmberechtigten verabschiedeten das Budget sowie den Kirchensteuersatz für das kommende Jahr einstimmig.

Einen regen Austausch zur Folge hat der fünfte Punkt am heutigen Abend: Der Verkauf des Pfarrhauses Guggisberg. Der Kirchgemeinderats-Präsident erläutert die Beweggründe für den Verkauf und macht deutlich, wie schwer das Objekt finanziell zu halten sei, gerade im Hinblick auf die Investitionen, die die beiden Kirchengebäude verlangten. Es gibt diverse kritische Anmerkungen aus der Versammlung, die vom Kirchgemeinderat nochmals neu ausgearbeitet und überprüft werden müssen. Schliesslich wird dem Antrag aus der Versammlung, das Geschäft «Verkauf des Pfarrhauses» zur Überarbeitung zurückzuweisen und auf eine spätere Kirchgemeindeversammlung zu vertagen, stattgegeben. Der Rückweisungsantrag wird mit knapper Mehrheit angenommen.

Unter Verschiedenem orientiert Kirchgemeindepräsidentin Ursula Liechti als Mitglied der Kirchensynode über die Neubesetzung der Präsidentenstelle im Synodalrat. Weiter sei an der Sommersynode zwei neue Synodalratssitze zu besetzen.

Zum Abschluss der Versammlung verweist Ursula Liechti noch einmal auf den Leitsatz «Offen für alle – solidarisch mit den Leidenden» und wünscht allen, dass sie gestärkt aus der derzeitigen Situation rausgehen, ohne dabei zu vergessen, sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen, zu sehen, wenn jemand leide, sich solidarisch zu zeigen und mit Vertrauen in das neue Jahr zu gehen.

Michaela Lichtle, Sekretärin der Kirchgemeinde Guggisberg und des Kirchgemeinderates